Besuch der Essbaren Stadt Andernach

am 2. September 2023

Schon als wir den Bahnhof in Andernach verließen, stießen wir auf die ersten grünen Parkbuchtunterteilungen mit Stauden, Gewürz- und Zucchinipflanzen. Die Stadtführerin verwies auf die günstigeren Pflegekosten (Personal und Material) im Gegensatz zu wechselnder saisonaler Bepflanzung. Hinzukommt der Verdunstungsschutz und die Verbesserung der Stadtökologie.

Vom Bahnhof zur antiken Stadtmauer passierten wir einige Verkehrsinseln, die in gleicher Machart begrünt waren. Schwerpunkt ist immer die Verwendung von blühenden Stauden als üppiges Nahrungsangebot für Insekten.

Dr. Lutz Kosack, Diplom-Ökogeologe und Initiator der ersten “essbaren Stadt” Deutschlands, Andernach, hatte als Mitarbeiter der Stadtverwaltung 2010 begonnen die öffentlichen Grünlagen umzugestalten. So entstand die „Essbare Stadt Andernach“ – nun heißt es in den öffentlichen Grünanlagen nicht mehr „Betreten verboten“ sondern „Pflücken erlaubt“.

Mit einem Mitarbeiterstamm der Stadtverwaltung und der Perspektive, der örtlichen Langzeitarbeitslosen Beschäftigung- und Qualifizierungsgesellschaft, baute er das Projekt weiter aus – auch entstand eine Permakultur und ein historischer Garten. Die Stadt wird zunehmend grüner und lebenswerter. „Wir entschieden uns für die Agro-Biodiversität, die Nutzpflanzen, um so einen direkten Bezug zwischen Pflanzen und Mensch herzustellen – um Biodiversität auf diese Art und Weise zu „begreifen“ – im wahrsten Sinne des Wortes”, so der jetzige Lehrende an der Universität Bonn, für den Bereich des Naturschutzes und der Botanik. Fortgeführt wird das Projekt nun von Frau Anneli Karlsson, 02632 922-180, anneli.karlsson@andernach.de

Aspekte der Nachhaltigkeit, der Biodiversität und der urbanen Landwirtschaft kann man besonders am Fuß der alten Stadtmauer erkennen. Nachdem 2010 die Anpflanzung von 101 Tomatensorten auf die Biodiversität im Bereich der Nutzpflanzen hingewiesen hatte, konnte dies 2011 mit Pflanzung von Bohnen fortgesetzt werden. 2012 stand die Zwiebel im Mittelpunkt. Hierfür wurden sowohl Beete mit Nutzpflanzen angelegt. In den folgenden Jahren kamen verschiedene Obstbäume, Salate, Zucchini, Beeren, Kräuter – und sogar Hühner und Schafe mitten in der Stadt dazu. Auch Bienen bevölkern die Stadt.

Mit der Umgestaltung der kostenaufwändigen Wechselbeete in nachhaltige Staudenbeete wurde die ökologische und ökonomische Umgestaltung der Grünanlagen fortgesetzt. Wechselbeete in der Stadt und Stadtteilen wurden zu abwechslungsreichen, vielgestaltigen und ästhetisch anspruchsvollen Flächenpflanzungen umgewandelt. Im Bereich des Stadtgrabens wurde eine Vielzahl essbarer und ästhetisch ansprechender Gehölze gepflanzt. Dies reicht von Mandeln, Pfirsich bis zu Mispeln, Khaki, Granatapfel und Birnenspalieren. Dabei gilt es, auch in der Stadt als „Lebens-„mittelpunkt wieder „Lebens“-mittel erlebbar zu machen. Zudem ist es Ziel, städtische Flächen multifunktional zu gestalten, so dass auch ein Nutzaspekt anvisiert wird. Auch soll die städtische Bevölkerung hierdurch mehr für das öffentliche Grün sensibilisiert werden und gegebenenfalls auch in die Nutzung und Pflege eingebunden werden. Im Bereich der Grundschulen sind Schulgärten entstanden.

Das Ziel einer „Essbaren Kommune“ ist in Andernach erreicht worden: Den Stadtraum zum Anbau von Lebensmitteln nutzbar machen und eine lokale Versorgung vor Ort aufbauen.Ernten auf öffentlichen Flächen, Früchte und Wildpflanzen in der essbaren Kommune. Pflücken erlaubt – das gilt generell auf öffentlichen Flächen. Vielerorts laden wilde Beerensträucher, Obstbäume und Wildkräuter zum Ernten ein. In vielen Kommunen ist das Ernten auf städtischen Flächen ausdrücklich erwünscht.

Weitere „Essbare Städte und Kommunen sind z.B. Aachen, Bad Kreuznach, Berlin, Bingen, Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt, Hamm, Kassel, Lübeck, Marburg, München, Pirmasens, Saarbrücken, …

Termin und Kosten

Die Führung begann am Samstag 2. September um 11:30 Uhr am Bahnhof in Andernach.

Der Verein übernahm die Gebühr für die Gruppen-Führung.